Interview Pascal Ledune - World of Walas


    Brownfield24: Sehr geehrter Herr Ledune, viele kennen Sie noch aus Ihrer Zeit als Wirtschaftsförderer in Dortmund – nun sind Sie bei World of Walas. Was genau ist das?

    Pascal Ledune: Walas entwirft, schafft, verändert, entwickelt, disruptiert und setzt unermüdlich auch ungewöhnliche Wege ein, um den Kampf um eine nachhaltige Zukunft in seinen Projekten auch auf globaler Ebene zu gewinnen. Walas geht hierbei auf das zurück, was für die Stadt tatsächlich benötigt wird: echte Stadtentwicklung, bei der die Bedürfnisse der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner bedient und auf nachhaltigen Erfolg hin überwacht werden. Mit neuen Ideen für alte Gebäude und einer soliden Geschäftspraxis schaffen wir spannende urbane Orte, an denen Menschen leben, arbeiten, produzieren und teilhaben wollen. Walas-Projekte zielen darauf ab, das Erbe der alten Gebäude zu bewahren und lebendige, neue Gemeinschaften aufzubauen. Dabei sind und bleiben wir Teil dieser Gemeinschaften und entwickeln Zug um Zug schrittweise die Gebäude und Areale.

    Brownfield24: Der Stadt Dortmund sind Sie treu geblieben – denn hier steht auch Ihr erstes Projekt: Phoenix West – ein ehemaliger Industriestandort mit Geschichte. Was haben Sie damit vor?

    Pascal Ledune: Wir schaffen ein urbanes Gebiet mit städtischen Funktionen, gepaart mit Raum für StartUps, für Corporates, für Akteure der Kulturszene und viele andere, um so den Ort zu einem lebendigen Areal für Innovationen rund um den Nachhaltigkeitsgedanken zu transformieren.
    Es sind in der Tat große und langfristige Pläne, die wir auf dem ehemaligen Hochofenstandort haben. In einem großen Invest haben wir als holländisch-kanadischer Stadtentwickler nicht nur die Hochofenanlage, sondern auch das ehemalige Schalthaus und das westlich vom Hochofen gelegene Baufeld 13 erworben. Perspektivisch hinzukommen werden noch der Ankauf des Gasometers, der Gasgebläsehalle und des Pumpenhauses. Phoenix West ist ja schon heute ein erfolgreicher Technologiestandort, die freien Flächen sind nahezu alle vermarktet. Wir nutzen die noch existierenden und für den Standort so charakteristischen alten Industrieanlagen, umbauen Sie, füllen sie mit neuem Leben oder nutzen Sie als Kulisse. Beginnen werden wir mit dem Schalthaus. Eine Halle so groß, das hier Box-in-Box Systeme integriert werden können, in denen startUps, kleinere Unternehmen, Forschungsgruppen, aber auch Ateliers und kleine Boutiquen sich sogenannte “neighbourhoods” teilen. In der ehemaligen und teileingestürzten Gasgebläsehalle, die ursprünglich einmal 160m lang war planen wir ein AgroTech Centre mit angeschlossenem Forschungsgewächshaus, in dem die hochaktuellen Themen rund um UrbanFarming behandelt werden. Auf dem freien Baufeld 13 und in den Hochofen hinein wird dann das erste World Innovation Centre entstehen, das später weltweit Ableger bekommen wird. Das wird mein Aufgabengebiet sein. Es geht hier um Vernetzung, um das Zusammenbringen von startUps mit Corporates und internationalen Forschungsgruppen. Ich kenne Dortmund sehr gut und bin hier stark vernetzt. Ich weiß um die Stärken des Standortes und der Region. Am Ende geht es auch darum, internationale Unternehmen vom Standort Dortmund zu überzeugen und hierhin zu lotsen. Es freut mich sehr, dass ich in meiner neuen Funktion am Ende sowas wie ein Botschafter für Dortmund sein kann.

    Brownfield24: Kann man World of Walas als eine Art Philosophie ansehen? Sie wollen für eine nachhaltige Stadtentwicklung stehen. Wie sind die Abläufe bei Ihren Projekten?

    Pascal Ledune: Das unterstrichene a im Firmennamen stammt aus einer indigenen kanadischen Sprache. Walas war ursprünglich ein niederländisch-kanadisches Projekt, das 1995 mit der indigenen Bevölkerung Kanadas, dem Kwakwaka'wakw, auch bekannt als Kwakiutl entstand. Unser Gründer Gerben van Straaten hat sich eng mit diesem Stamm verbunden und ihm wurde als Anerkennung für seine Arbeit der Name Walas verliehen, den er später als Firmenname eingetragen hat. Walas bedeutet wörtlich "groß", aber in diesem Fall steht es für einen mythischen Grizzlybären (Walas G'iladzi). World of Walas setzt sich weltweit für Nachhaltigkeit und das Wohlergehen der Ureinwohner ein und versucht, ihrer Kultur und ihren Rechten in allen Belangen gerecht zu werden.
    Diese Balance auf wirtschaftliche, ökologische und sozial nachhaltige Weise zu finden, ist eine einzigartige Herausforderung. Wir beschäftigen uns daher mit allen Aspekten der Stadtentwicklung und -sanierung. Dazu gehören Konzept und Design, Entwicklung und Bau, Projektmanagement, Immobilienmanagement und Zugang zu Innovationen. Walas arbeitet mit Städten, lokalen Gemeinschaften, Regierungen, Unternehmen und Innovatoren zusammen, um die besten Lösungen für Projekte bereitzustellen und Innovationen auf den Markt zu bringen.
    Inspiriert von der Earth Charter Bewegung und Vorbildern wie dem Ökonomen Jan Pen und der Urbanistin Jane Jacobs wurde World of Walas 2010 von Gerben van Straaten gegründet und ist ein wachsendes Unternehmen mit einem spannenden Immobilien-Portfolio, das sich auf den Aufbau nachhaltiger Gemeinschaften durch Innovationen, Projekte und Strategieentwicklungen fokussiert.
    Ganz konkret entwickeln wir die Projekte, so wie jetzt auch auf Phoenix West, graduell, Zug um Zug. Dabei achten wir auch darauf, dass unsere Mieter zueiander passen und idealerweise auch miteinander an Projekten arbeiten. Wir sind kein klassisches Immobilienunternehmen, dass Büroräume vermietet, sondern wir orchestrieren Gemeinschaften, bringen innovative Menschen aus unterschiedlichen Unternehmen, mit unterschiedlichem Background zusammen und sorgen so immer wieder für Innovationen. Phoenix West wird so zu einem urbanen Innovationsareal, in dem ein kreatives Milieu herrscht. Und dieser “Innovationsoutput” ist am Ende das, was die Unternehmen und den Standort insgesamt nach vorne bringt und nebenbei für das World Innovation Centre so wertvoll ist. Daran haben Unternehmen weltweit Interesse.

    Brownfield24: Welche Projekte konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden bzw. gibt es „learnings“ was man heute vlt. anders machen würde – gerade vor dem Hintergrund der Pandemie, die auch auf Stadtentwicklung einen Einfluss haben wird?

    Pascal Ledune: Bei all unseren Projekten ist Urbanität wichtig. Lupenreine Areale, die überwiegend zum Arbeiten, zum Shoppen, zum Forschen oder für die Freizeit genutzt werden, haben es zukünftig schwer, weil jeweils andere Funktionen fehlen. Wir sind davon überzeugt, dass Räume nur dann funktionieren, wenn sie Aufenthaltsqualität haben, wenn sie Kommunikation ermöglichen, wenn sie spannend sind, wenn sie zu einem “place to be” werden. Planerisch ist das nicht einfach zu realisieren, weil zu Urbanität neben den Büros und Innovationseinheiten eben auch kleine Shopping-Angebote, Ateliers, Kunsthandwerk, Gastronomie, Fitnesstudios, Cafes und auch Kinderbetreuungsangebote gehören. Aber da sind wir im engen Austasuch mit der Planung in Dortmund.
    Machen wir uns nichts vor. Nach der Pandemie werden die Menschen sich nicht mehr in die Bahn oder ins Auto setzen und aufs Fahrad schwingen, um ins Office zu kommen und wiederkehrende Routinearbeiten zu tätigen. Das kann man z.B. von zu Hause. Aber wenn die Menschen im Office sind, dann um mit Kolleg*innen ins Gespräch zu kommen, an Projekten zu arbeiten, kreativ zu werden. Und hierfür braucht es eben solche neuen Areale, die Urbanität atmen und Spaß machen.