Interview mit Thomas Bihn und Dustin Krotki von der ELE (Emscher Lippe Energie GmbH)


    Die Emscher Lippe Energie GmbH (ELE) versorgt rund 240.000 Privat- und Gewerbekunden und etwa 1.200 Geschäftskunden in Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck mit Strom, Erdgas und Wärme. Darüber hinaus bietet der Energieversorger eine Vielzahl zeitgemäßer Energie- und Netzdienstleistungen. Das Unternehmen plant, baut und betreibt maßgeschneiderte Anlagen: von innovativen Heizungen in Einfamilienhäusern bis zum kompletten Energiekonzept mit Strom, Wärme, Kälte, Mobilität und PV und nicht zuletzt hocheffizienter LED-Beleuchtung innerhalb und außerhalb von Gebäuden.

    In den mehr als zwanzig Jahren seit ihrer Gründung hat sich die ELE schnell zu einer festen Größe im mittleren Ruhrgebiet entwickelt. Aber auch außerhalb des Heimatmarktes wächst die Zahl der Kunden. Wir haben mit Thomas Bihn und Dustin Krotki, die sich bei der ELE um maßgeschneiderte Lösungen für Geschäftskunden kümmern, über die Stärken der ELE gesprochen und über den Mehrwert, den das Unternehmen dem B24-Netzwerk bieten kann.

    Brownfield24: Erzählen sie unseren Lesern doch als erstes etwas über sich und Ihr Einsatzgebiet im Unternehmen.

    Thomas Bihn: Gern. Ich habe in Aachen Elektrotechnik studiert und bin anschließend in Gelsenkirchen bei RWE eingestiegen. 1999 wurde dann die ELE als Konzernunternehmen mit starker kommunaler Beteiligung gegründet - quasi ein Drei-Städte-Stadtwerk mit Konzern-Background. Dort bin ich bis heute geblieben, im RWE- oder jetzt im E.ON-Konzern. Seit 2002 war ich für das Geschäftskunden-Segment verantwortlich und kümmere mich seit zwei Jahren ausschließlich um Sonderprojekte, große Gebäudekomplexe und Gebietsentwicklungen. Es geht dabei immer um die Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Kälte sowie um unsere Energiedienstleistungen. In unserem Grundversorgungsgebiet Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop können wir einige Referenzprojekte vorweisen, bei denen wir Planung und Realisation von der ersten Stunde an begleitet haben.

    Dustin Krotki: Mein Maschinenbaustudium mit der Vertiefungsrichtung Energie- und Verfahrenstechnik habe ich an der Ruhr-Universität Bochum absolviert. Nach Abschluss meiner Masterarbeit, habe ich letztes Jahr im Mai bei der ELE angefangen. Ich unterstütze Herrn Bihn vor allem bei der Quartiers- und Gebietsentwicklung.

    Brownfield24: Herr Bihn, wie weit reicht Ihr Radius? Beschränkt er sich nur auf die drei Städte Bottrop, Gladbeck und Gelsenkirchen?

    Thomas Bihn: In erster Linie sind wir natürlich in den drei Städten Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop stark. Wir haben aber auch Projekte quer durch die Rhein-Ruhr-Region und darüber hinaus, zum Beispiel in Dorsten und Düsseldorf.

    Brownfield24: Für Brachflächenentwicklung ist der Pott ja prädestiniert. Wie wichtig ist es, jemanden wie Sie als Dienstleister frühzeitig ins Boot zu holen?

    Thomas Bihn: Bei vielen Gebieten und Quartieren ist im Vorfeld oft gar nicht genau geplant, wie die Fläche sich entwickeln soll. Gerade deshalb ist es für uns wichtig, möglichst früh mit dabei zu sein, um die richtigen Weichen hinsichtlich der Energieversorgung stellen zu können, wenn ein Industriegebiet oder ein Wohnquartier entwickelt werden soll.

    Dustin Krotki: Die energetische Auslegung eines Industriegebiets gestaltet sich aufgrund der unterschiedlich ausgeprägten Verbräuche einiger Unternehmen komplex. Die Auslegung ist stark von den Unternehmen abhängig, welche sich dort niederlassen werden. Ein einfaches Beispiel: Ein Schraubenhersteller verbraucht viel Energie auf kleinem Raum, wohingegen ein Logistikunternehmen sehr viel Platz bei meistens sehr geringeren Verbräuchen benötigt.

    Thomas Bihn: Je mehr wir im Vorfeld wissen, desto exakter können wir planen. Ist das Ganze primärenergielastig? Sind innovative Techniken gewünscht? Zentral oder dezentral? Hochtemperaturnetz oder LowEx-Netz? Gibt es Platzprobleme? Wie sehr muss E-Mobilität und Photovoltaik berücksichtigt werden? Das alles sind Fragen, die sich auf die Dimensionen der zu planenden Hardware stark auswirken können. Wir können Tipps geben, auf was geachtet werden muss und auch, welche Fördertöpfe man in Anspruch nehmen kann.

    Brownfield24: Wann plant man diesen Bedarf am besten? Gibt es eine Richtschnur oder gilt: Je eher desto besser?

    Thomas Bihn: Im Idealfall sollten die Gespräche geführt werden, bevor die wesentlichen Entscheidungen getroffen werden. Wenn alle Grundstücke erst einmal verkauft sind und dann im Nachgang festgestellt wird, dass noch Flächen für zum Beispiel eine Energiezentrale, E-Mobilität oder Photovoltaik benötigt werden, kann das zu einem Problem werden. Man macht sich das Leben leichter, wenn man so etwas vorab plant.

    Dustin Krotki: Es gibt aber auch Beispiele im Ruhrgebiet, bei denen schnell die ersten interessierten Käufer gefunden wurden und innovative Techniken direkt realisiert werden konnten. Nachhaltigkeit ist gut für das Image und hebt den Wert des Quartiers. Neben der Verkehrsanbindung sind solche innovativen Techniken also auch Faktoren dafür, dass sich ein Gebiet sehr gut vermarkten lässt.

    Brownfield24: Gibt es Leuchtturm-Projekte, an denen man sehen kann, was die ELE schon gestemmt hat?

    Thomas Bihn: Das Berger Feld in Gelsenkirchen mit der Heimat des FC Schalke 04, der Veltins-Arena, ist ganz bestimmt unser komplexestes Projekt, und das seit mehr als zwei Jahrzehnten. Tatsächlich sind wir hier Partner der ersten Stunde, die Zusammenarbeit ist älter als die ELE selbst. Im Energieverbund von Arena, Hotel, Reha-Zentrum und den weiteren Partnern bilden wir unser gesamtes Energie-Portfolio ab. Außerdem ist dieser so genannte Arena-Park auch ein Musterbeispiel dafür, wie man mit einem von vorn herein auf Flexibilität und Weiterentwicklung angelegten Konzept Schritt für Schritt wachsen kann. Als Energiepartner einer solchen Entwicklung reicht es nicht, mit der Entwicklung Schritt zu halten: Man muss vor die Planung kommen. Das gelingt uns hier immer wieder aufs Neue. Mittlerweile gibt es dort mehrere Energiezentralen, um das gesamte Gebiet mit Wärme, Kälte, und Netzdienstleistungen versorgen zu können. Darüber hinaus sind wir auch für die Betriebsführung und die Instandhaltung der dortigen Anlagen verantwortlich. Erst im letzten Jahr ist eine neue Rehaklinik entstanden und an unsere Netze angeschlossen worden. Die Veltins-Arena und mit ihr auch der dazugehörige Energieverbund ist jetzt zwanzig Jahre alt und bis heute ein Paradebeispiel dafür, wie man die Versorgung Schritt für Schritt erweitern und neue Techniken integrieren kann, wenn von Anfang an vorausschauend geplant wird.

    Dustin Krotki: Ein weiteres Beispiel ist ein Kaufhauskomplex in Gelsenkirchen. Auch hier ging es um die Verquickung der Faktoren Wärme, Kälte, Gas, Strom und Notstrom, die gelöst wurden. Wir betreiben diese Anlage im Contracting.

    Thomas Bihn: Ein drittes Beispiel ist das Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern, 1997 Schauplatz der Bundesgartenschau. Die alten Zechengebäude sind umgewidmet worden, das Gelände drumherum wurde weiterentwickelt. Dort sind unter anderem ein Hotel mit Restaurant und mehrere Verwaltungsgebäude entstanden. Darüber hinaus wurden rund 100 Einfamilienhäuser integriert. Wir betreiben hier im Contracting ein Biogas-BHKW, exakt zugeschnitten auf den Bedarf vor Ort.

    Brownfield24: Offensichtlich ist Brownfield-Revitalisierung für die ELE ein wichtiges Thema.

    Thomas Bihn: Auf jeden Fall. Neben diesen Basics, die man braucht, wenn man ein Brownfield entwickeln möchte, gibt es noch viele weitere spannende Themen. E-Mobilität, Glasfasernetze, intelligente Straßen- und Gebäudebeleuchtung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wie können wir Vorhandenes nutzen und in den Energieverbund einbinden? Stichwort: Wärmerückgewinnung aus Grauwasser. Und natürlich auch die Wasseraufbereitung, um aus Grauwasser wieder Frischwasser zu machen. In solchen Projekten sollte mit der Umsetzung eine weitgehende CO2-Neutralität erreicht werden. Dabei unterstützen wir unsere Kunden gern.

    Dieses Projekt wird mit den folgenden Brownfield Partnern realisiert