Interview mit Stephan Aumann von KonvOY


    Mit dem beginnenden Abzug der britischen Streitkräfte aus Münster wurde ein umfassender Beteiligungs- und Planungsprozess zur Entwicklung der Kasernen York und Oxford gestartet. Die Konversion dieser Liegenschaften bietet die einmalige Chance, neue, nachhaltige und lebenswerte Stadtquartiere zu schaffen. Die KonvOY GmbH, deren Name sich aus den Wörtern Konversionen Oxford und York zusammensetzt, ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Münster. Als Entwicklungsgesellschaft ist sie für die Entwicklung und Vermarktung der beiden Areale verantwortlich. Wir haben mit Geschäftsführer Stephan Aumann über den aktuellen Stand dieser spannenden Revitalisierung gesprochen.

    Brownfield24: Wie viele Städte wächst auch Münster weiter und es fehlt an Wohn- und Gewerbeflächen. Als Entwicklungsgebiet bieten sich die Konversionsflächen York und Oxford idealerweise an. Was sind die Rahmendaten zu diesen beiden Flächen und welche Rolle spielt KonvOY als Entwicklungsgesellschaft in diesem Prozess?

    Stephan Aumann: Das neue York-Quartier liegt im Stadtteil Gremmendorf und ist 50 ha groß. Die besondere Atmosphäre wird geprägt durch große Freiflächen und viele uralte Bäume. Diese bilden den Rahmen für ca. 1.800 neue Wohneinheiten. Das Oxford-Quartier erweitert den stark wachsenden Ortsteil Gievenbeck, ist 26 ha groß und wird mit einer etwas dichteren Bebauung ungefähr 1.200 Wohneinheiten umfassen. Anders als die größeren Neubaugebiete liegen beide Quartiere mitten in gewachsenen Siedlungsbereichen. Da gibt es viele Anknüpfungspunkte an die umgebenden Strukturen, wie die Erweiterung des Stadtteilzentrums Gremmendorf oder die Verknüpfung zu einem grünen Stadtpark in Gievenbeck.
    Die KonvOY GmbH hat einerseits ein Aufgabenheft wie ein normaler Flächenentwickler. Wir kümmern uns um die Baureifmachung und sind als Erschließungsträger tätig. Andererseits sind wir aber auch kein normaler Entwickler. Die bestmögliche Qualität der Infrastrukturen und möglichst viel Innovation auf den Bauflächen sind für uns der entscheidende Maßstab.

    Brownfield24: Die Entwicklungsflächen werden nicht einfach veräußert, sondern nur nach Konzept vergeben. Welche Vergaben laufen derzeit bzw. sind noch geplant?

    Stephan Aumann: Es sind schon Pioniere auf den beiden Arealen tätig: die städtische Wohn+Stadtbau errichtet zwei Wohnquartiere mit insgesamt 800 Wohneinheiten und die evangelische Kirche baut – in heutigen Zeiten fast schon ungewöhnlich – ein neues Kirchengebäude und ein Gemeindezentrum im Oxford-Quartier. Dort läuft bereits eine Konzeptvergabe für ein ca. 10.000 qm großes Baugrundstück, speziell für Baugruppen und Wohnprojekte. Wer möchte, kann bis Juli noch ein Konzept einreichen.
    In diesem Jahr wird in Gievenbeck noch ein weiteres, ca. 10.000 qm großes Grundstück starten, bei dem es um Wohnen und Arbeiten in einer Hofsituation gehen wird. In Gremmendorf ist ein erstes Baugrundstück für gemischte Nutzung kurz vor Besprechung im Bewertungsgremium. Ab Sommer geht es hier weiter und wir werden eine Vergabe für Bauträger für ca. 120 eigentumsbezogene Wohneinheiten veröffentlichen.

    Brownfield24: Was muss ich als Investor oder Interessent noch wissen? Erfolgt die Übergabe baureif oder gibt es noch planungsrechtliche Themen bzw. Altlasten, die es zu berücksichtigen gilt?

    Stephan Aumann: Planungsrechtlich existiert in jedem Quartier ein frischer Bebauungsplan. Gestaltungsleitlinien zeigen die gestalterischen Ansprüche. Alle Baugrundstücke sind beim Verkauf natürlich voll erschlossen. Wir haben Wert gelegt auf eine ausreichende Versorgung für öffentliche und private Ladesäulen und für einen sehr guten Standard bei der Breitbandverkabelung. Bei den Baufeldern, auf denen Gebäude entfernt wurden, ist der Baugrund entsprechend des Sanierungskonzeptes aufbereitet. Nur bei der York-Kaserne müssen noch die leider üblichen Blindgänger berücksichtigt werden. Die bekannten größeren Altlasten werden nach und nach durch die KonvOY beseitigt.

    Brownfield24: Was ist mit dem Thema Denkmalschutz? Gibt es hier spannende Projekte, die auf den Flächen noch zu realisieren bzw. zu lösen sind?

    Stephan Aumann: Absolut! Der Denkmalschutz sichert den Charakter der Bestandsgebäude aus den 30er-Jahren, die sich allesamt sehr gut nachnutzen lassen. Es gibt aber auch ausreichend Neubaufelder, die entweder die alten Baustrukturen in größerem Format ergänzen oder kleinteilig hinzutreten und viele Möglichkeiten schaffen. Aber es sind ja auch die kleinen Teile, die Charakter zeigen: im Oxford die stützenden Natursteinmauern oder im York-Quartier das ehemalige ›filmreife‹ Offizierscasino als künftiges Bürgerhaus. In direkter Nachbarschaft befinden sich noch größere ehemalige Fahrzeughallen. Auf deren Nachnutzung bin ich sehr gespannt. Hier können innovative Haus-in-Haus-Konzepte oder spektakuläre Loft-Situationen entstehen.

    Brownfield24: Abschließend die Frage: Wie kommen Interessierte an Informationen?

    Stephan Aumann: In Kürze werden die Homepages für das York- und das Oxford-Quartier starten. Bis dahin können sich Interessierte auf der KonvOY-Seite registrieren lassen und erhalten so laufend Informationen. Soweit die Expo Real stattfinden wird, finden Sie die KonvOY auf dem Münster-Stand – und in irgendeiner Form auf der kommenden digitalen Polis, mal sehen…